Biozide: Säuren und Laugen

Außer in einigen Sonderfällen werden zu Desinfektionszwecken meistens organische Säuren eingesetzt. Das Hauptanwendungsgebiet liegt im Bereich der Konservierung von Lebensmitteln und Kosmetika.
Organische Säuren sind relativ schwache Säuren. Am besten wirksam sind die Phenylessig-, Ameisen-, Essig- und die Propionsäure. Im Stallbereich wird vor allem die Ameisensäure in einer Konzentration zwischen 2-4% zur Flächendesinfektion eingesetzt.
Eiweißbelastungen setzen die Wirksamkeit herab, Pilze sind relativ widerstandsfähig gegenüber Säuren. Grundsätzlich ist das Wirkungsspektrum relativ breit.
Der Kontakt mit Ameisensäure führt zu starken Schleimhautreizungen (Augen / Atemorgane).

In der Landwirtschaft, aber auch im Molkereibereich und in der Getränkeherstellung werden hauptsächlich Laugen, hier vor allem Natronlauge (NaOH), eingesetzt.
Laugen haben in hoher Konzentration einen keimtötenden Effekt. Die stark fettlösenden Eigenschaften werden besonders zur Reinigung von Gefäßen genutzt. Gramnegative Bakterien werden gut erfasst, grampositive hingegen kaum.
Natronlauge ist die stärkste der technischen Laugen. Daneben werden auch Kalilauge (KOH) und Kalkmilch (Ca(OH)2) für die Flächendesinfektion genutzt.
Solche Laugen weisen einen sehr hohen pH-Wert auf (>12, alkalisch) und müssen als reizend bzw. als ätzend gekennzeichnet werden (abhängig von der Konzentration).
In 2%iger Konzentration z.B. wirkt Natronlauge schnell gegen Bakterien und Viren. Pilze werden nicht abgetötet.

Laugen sind stark korrosiv und können nicht auf allen Materialien verwendet werden (z.B. Leichtmetalle, Aluminium). Darüber hinaus ist die Wirkung auf rauen Oberflächen (z.B. Holz) mangelhaft.
Die Desinfektion von Flüssigmist/Fäkalien wird mit einer 15%igen Natronlauge in einer Aufwandsmenge von 15 bis 30 Litern pro m³ vorgenommen. Alternativ kann Kalkmilch verwendet werden. Festmist wird mit Calziumhydroxid (Pulver / Granulat) behandelt.

Der Gesundheits- und Arbeitsschutz muss bei Umgang mit sochen Chemikalien besonders streng eingehalten werden (Handschuhe, Sicherheitsbrille, Körperschutz), da z.T. schwere Verletzungen von Haut und Schleimhaut bei Kontakt mit ätzenden Stoffen drohen.

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Definitionen

Säuren/Laugen:
allg. Formel organische Säuren:  R-COOH
(R=H, Ameisensäure / R=Phenyl, Benzoesäure /
R=H3C-, Essigsäure / R=H3C-CH2-, Propionsäure)

pH-Wert in Wasser: <7 (saurer Bereich)
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allg. Formel Laugen:  Me(OH)n
(Me= Na, Natriumhydroxid als Natronlauge / Me= K, Kaliumhydroxid als Kalilauge / Me= Ca, Calziumhydroxid als Kalkmilch)

pH-Wert in Wasser: >7 (basischer, alkalischer Bereich)

Kennzeichnung* bei Konzentration C:
Ameisensäure
C= >2,0% bis <10%  reizend R36/38
C= >10% bis <90%   ätzend R34
C= >90%                     ätzend R35
Essigsäure
C= >10% bis <25%   Xi reizend R36/38
C= >25% bis <90%   ätzend R34
C= >90%                     ätzend R35
Propionäure
C= >10% bis <25%   Xi reizend R36/37/38
C= >25%                     ätzend R34
Natronlauge
C= >0,5% bis <2%    Xi reizend R36/38
C= >2,0% bis <5%    ätzend R34
C= >5,0%                    ätzend R35
Kalilauge
C= >0,5% bis <2%    Xi reizend R36/38
C= >2,0% bis <5%    ätzend      R34
C= >5,0% bis <25%  ätzend      R35
C= >25%                     ätzend      R22-35
Kalkmilch
Calziumhydroxid-Suspension in Wasser: Xi reizend R41

*gem. GefahrstoffVerordnung

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