Massentierhaltung – Gülle – verseuchtes Trinkwasser

Es ist seit langer Zeit bekannt, dass die Landwirte zu viel Gülle auf den Böden entsorgen. Denn Gülle ist ein Gefahrstoff, allerdings nicht im Sinne des Chemikalien- und Umweltrechts. Gülle enthält giftige Chemikalien, die ebenso giftige Gase produzieren, die berühmte „Landluft“. Unter den toxischen Inhaltsstoffen sind Ammoniak, Kohlenoxide, Methan, Nitratsalze, Medikamente, hier insbesondere Antibiotika, und auch Bakterien, Pilze und Viren, möglicherweise Prionen u.v.m. zu finden. Die Liste ist viel länger und jedes andere Unternehmen der Privatwirtschaft, welches auf diese Weise seine umweltgefährdenden Abfälle entsorgen würde, wäre ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Nicht so die Landwirte, weil Gülle – noch – als Wirtschaftsdünger gehandelt wird. 

 

Im Jahre 2016 hat die EU-Kommission in einem Verfahren vor dem EuGH Deutschland verklagt wegen zu hoher Nitratbelastungen des Grundwassers. Jetzt hat das EuGH Deutschland zu einer Strafzahlung verurteilt, weil zu wenig gegen die Grundwasserbelastung durch Nitrat unternommen wurde.

Was hat Gülle mit Nitrat im Grundwasser zu tun?

Der Boden kann nur bestimmte Mengen an Dünger, also Nährstoffe und andere lösliche Inhaltsstoffe aufnehmen, speichern und wieder pflanzenverfügbar abgeben. Insbesondere Böden in landwirtschaftlich intensiv bewirtschafteten Gegenden sind heute kaum noch aufnahmefähig und bereits in einem Stadium fortgeschrittener Degradierung. Aufgrund dieser verminderten Speicherkapazität geht ein erheblicher Anteil an Nährstoffen verloren, versickert also in tiefere Schichten, wo sie durch Pflanzen nicht mehr erreichbar sind, bis schließlich das Grundwasser erreicht ist. Ein kontinuierlicher Eintrag in das Grundwasser führt zur Anreicherung diverser Stoffe, die aufwändig bei der Trinkwassergewinnung wieder entfernt werden müssen. Das ist aber nur bis zu einem gewissen Grade möglich. Beispielsweise können Spuren von Medikamenten oder Viren heute noch nicht gänzlich aus dem Trinkwasser entfernt werden. Und von der mittlerweile auftretenden Vielzahl an multiresistenten Keimen überall in der Umwelt wird sicher auch noch die Rede sein.

Warum gibt es ein Gülleproblem?

Wer Tiere für die Tötung zwecks Herstellung von Fleischprodukten züchtet und mästet, hier insbesondere Rinder und Schweine, muss dafür sorgen, dass die entstehenden Fäkalien auch wieder entsorgt werden. Aufgrund der stetig steigenden Zahl von Masttieren, die im Rahmen der Massentierhaltung existieren, fällt auch immer mehr Gülle an. Die aufnahmefähigen Bodenflächen vergrößern sich jedoch nicht im benötigten Maßstab. Somit wird immer mehr Gülle auf immer schlechteren Flächen entsorgt. Die Problematik hat sogar dazu geführt, dass sich ein reger, grenzüberschreitender Güllehandel etabliert hat. Das führt dazu, dass zusätzlich zum deutschlandweiten Überangebot auch noch niederländische „Scheiße“ in Deutschland entsorgt werden muss. Während in den Niederlanden die gesetzlichen Regelungen dazu führen, dass nicht mehr Gülle verklappt werden darf, wird in Deutschland munter weitergemacht.

Was sagt die Düngeverordnung?

Scheinbar reicht die deutsche Düngemittelverordnung nicht aus, um den drohenden Notstand im Bereich der Grundwasserverschmutzung zu verhindern. Und ob die Landwirtschaft ausreichend kontrolliert wird, das steht ebenfalls auf einem anderen Blatt. Um die Weichen für die Zukunft zu stellen, muss dringend eine Überarbeitung des Düngemittelrechts in Kombination mit einer durchgängigen Kontrolle der verklappten Güllemengen erfolgen. Insbesondere die Herstellung von Fleisch für das Ausland, ganz sicher der Verkauf von lebenden Tieren an ausländische Verarbeiter, muss dringend unterbunden werden.

Welche Maßnahmen jetzt?

Darüber hinaus wäre es jetzt an der Zeit, drastische Anpassungen im Bereich des Tierschutzgesetzes vorzunehmen. Denn Schweine, Kühe, Ziegen, Schafe, Federvieh und Co. sind auch Tiere, die des Schutzes bedürfen. Eine dramatische Reduzierung der Mastkapazitäten und der Ausstieg aus der Massentierhaltung müsste die Folge sein, damit erst gar nicht die riesigen Mengen an Gülle entstehen, die nicht legal entsorgt werden können. Das wäre zum Wohl der Tiere und auch der menschlichen Gesundheit äußerst zuträglich.

Allerdings ist es fraglich, ob eine Gesellschaft, die jeden Tag Fleisch konsumieren möchte, und das so billig wie möglich, eine freiwillige Reduzierung und maßvolleres Verhalten akzeptieren würde. Jedoch: wenn nichts geschieht, wird es so laufen wie bei der Diesel-Abgaskrise. Das sind bald Fahrverbote wegen schlechter Luft.

In Zukunft könnte es dann auch heißen: Fleisch-Essverbot wegen schlechten Wassers!

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Mehr zum Thema

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t-online.de  I 21.06.2018
So groß ist Deutschlands Nitrat-Problem

zeit.de  I 18.09.2014
Das Wasser wird schlecht

 

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