EHEC-Keime: Wink der Natur

Das Auftreten des äußerst aggressiven EHEC-Keims im Mai 2011 hat Deutschland in Unruhe versetzt. EHEC-Keime gehören zu den Coli-Bakterien (Darmkeime) und können über Schmierinfektion von Flächen auf den Mensch und auch von Mensch zu Mensch übertragen werden.

Unabhängig davon, wo die Mutation dieser Spezies ihren Ursprung hat: wir müssen mit solchen pathogenen Erregern (Keime, Pilze, Viren, Parasiten) leben. Und sie Ereilen die Menschheit – übrigens auch die Tierwelt – immer wieder und immer häufiger auf aggressive Weise. Die Rede ist beispielweise von den Erregern der Grippe, Vogelgrippe, Sars und anderen möglichen Auslösern von Epidemien.

Übertragungswege unterbrechen

Weil die Erde mittlerweile sehr dicht besiedelt ist – mit mehr als 7 Mrd. Menschen – und aufgrund der eng verzahnten Weltwirtschaft mit entsprechendem Warenaustausch und Reiseaktivitäten der Menschen, können sich potenzielle Erreger innerhalb kürzester Zeit – im Extremfall innerhalb von Stunden und Tagen – über die gesamte zivilisierte Welt verbreiten.
Wenn sich Keime wie EHEC in der Umwelt einnisten und über Wasser, Luft und Nahrungsmittel übertragen werden, wird es für den Einzelnen schwierig, sich sicher mittels einfacher Maßnahmen wie z.B. durch regelmäßiges Händewaschen zu schützen.

Hygiene als Überlebensstrategie

In den vergangenen Jahrhunderten hat uns die Natur gezeigt, wozu sie in der Lage ist. Die großen Epidemien und Seuchen der Menschheitsgeschichte haben Millionen von Individuen dahingerafft. Häufig war mangelnde Hygiene, von der man auch noch lange nach der Periode des Mittelalters nichts kannte, der Grund für die Ausbreitung tödlicher und auch weniger problematisch verlaufender Krankheiten.
Nun sollte man meinen, in unserer hochtechnisierten Welt wäre die Zivilisation gefeit vor der Ausbreitung von Erregern, die sich erst aufgrund mangelnder hygienischer Zustände verbreiten können.

wieviel Hygiene ist gut und wichtig?

Die Realität sagt uns leider Gegenteiliges. Während der Eine es zu gut mit Hygiene meint und täglich Haus und Hof desinfizieren möchte, mit allen zur Verfügung stehenden chemischen Mittelchen, gibt es auch andere Vetreter der menschlichen Gattung, die es gar nicht so eng nehmen.
Und wie immer ist es der Mittelweg, der die Lösung bringt. Übertriebene Hygiene und Desinfektion birgt die Gefahr von Resistenzbildung bei Erregern, welche dann kaum noch zu dezimieren sind. Von den Gefahren für den Anwender der meist giftigen chemischen Keulen ganz zu schweigen.
Unterlassene Hygiene ist hingegen fahrlässig, da häufig schon ein Mindestmaß an zwischenmenschlichen Kontakten eine schnelle Übertragung von möglichen pathogenen Erregern aller Art eine blitzartige Ausbreitung, teilweise auch über Flächen (Lichtschalter, Türgriffe, Wasserhähnen u.a.), zur Folge haben kann.

Verantwortung bewusst machen!

Hier trägt jeder Einzelne eine besondere Verantwortung für die gesamte Gesellschaft. Und da wäre wieder das Problem mit EHEC. Dieser Fall zeigt in besonderer Weise, dass auch das Waschen der Hände nach dem Toilettengang ein MUSS ist!
Leider fehlen spezielle gesetzliche Vorschriften zur Pflicht der regelmäßigen Händedesinfektion in der Gastronomie und in der Nahrungsmittel verarbeitenden Industrie. Hier findet sich ein Schlüssel für einen möglichen und sehr gefährlichen Verbreitungsweg.
Das vermehrte Auftreten von resistenten Keimen in vielen Krankenhäusern führte bereits dazu, dass einige Häuser Fachkräfte eingestellt haben, die sich ausschließlich um dieses Problem kümmern.
Ärtze in eigenen Praxen, Tierheime, Zoos und auch Zoohandlungen müssen sich selbst mit dieser Problematik auseinandersetzen. Denn nicht nur die Möglichkeit des Überspringens der Artengrenze durch Erreger (Zoonose) ist dort allgegenwärtig.

Hygiene: was tun, womit und wie oft?

Im privaten Bereich reicht üblicherweise regelmäßiges, gründliches Händewaschen aus. Desinfektionsmaßnahmen, z.B. im Sanitärbereich sind nur dann angezeigt, wenn sich Familienmitglieder mit ansteckenden Krankheiten infiziert haben sollten oder falls Schimmelpilz in Fugen auftreten sollte.
Die Zubereitung von Nahrungsmitteln sollte grundsätzlich immer unter hygienischen Bedingungen vorgenommen werden, insbesondere bei Verwendung von Rohkost oder Fleischwaren. Hygienische Bedingungen lassen sich meistens aber schon durch Anwendung geeigneter Reinigungsmittel herbeiführen.

Anders sieht es aus im Bereich der Gastronomie. Hier sollten regelmäßig alle Flächen, die mit Nahrungsmitteln, insbesondere Fleisch, Fisch und Eierwaren in Kontakt kommen, gründlich gereinigt und anschließend desinfiziert werden.
Auch Hände der Köche, Küchenhelfer und aller anderen Bediensteten müssten in regelmäßigen Abständen vorsorglich gewaschen und desinfiziert werden.
Was bei behandelnden Ärtzen und Pflegern (im Veterinär- oder Humanbereich) Pflicht ist, wird in anderen Bereichen, in denen Menschen mit vielen Kontaktpersonen (oder Tieren) mangels Vorschriften, insbesondere zu überwachender Vorschriften, leider häufig nicht so streng gehandhabt.

eindeutige Regeln für jedermann?

Es liegt also grundsätzlich im eigenen Ermessen, wie mit dem Thema Hygiene umgegangen wird. Und hier hat bekanntlich jeder seine eigenen, individuellen Vorstellungen.
Es liegt auch in der Natur der Sache, dass es keine Standardregeln für alle möglichen Lebenssituationen geben kann.

welche Desinfektionsmittel?

Schon die Auswahl der richtigen Reinigungsprodukte, Reinigungsintervalle und die Wahl geeigneter Desinfektionsmittel stellt die meisten Menschen vor große Herausforderungen. Denn nicht jedes Desinfektionsmittel ist angezeigt für jeden Erreger und für alle Oberflächen.

Die am häufigsten eingesetzten Alkohol-Desinfektionsmittel haben den Vorteil, dass sie schnell wirken und auch schnell wieder von der Oberfläche „verschwinden“, rückstandsfrei. Alkohol deckt aber nicht alle Typen von Erregern ab und weist somit erhebliche Wirkungslücken auf.
Ein besonderes Problem besteht in der Unwirksamkeit gegenüber Sporen und auch vielen Parasiten (z.B. Wurmeier). Darüber hinaus darf Alkohol (meistens 70-75%ige Lösung) aufgrund seiner Brennbarkeit (auch Explosionsgefahr) nur auf kleineren Flächen verwendet werden.
Alkoholische Reinigungslösungen werden bevorzugt auch zur Händedesinfektion verwendet, mit dem Ergebnis, dass entsprechend nicht alle Erreger erfasst werden und in der Folge regelmäßiger Anwendung häufig eine Überempfindlichkeit der Haut resultiert.

welche Alternativen?

Unter der großen Anzahl von Biozidwirkstoffen hat sich besonders die Peressigsäure (PES) als ein hochwirksames Mittel erwiesen, welches bereits in sehr geringer Konzentration (unter 1%) ohne Wirkungslücke die höchst mögliche Bandbreite an Erregern erfasst.

Gerade unter ökologischen Aspekten scheint es sinnvoll, solche chemischen Wirkstoffe zu verwenden, welche sich nach kurzer Reaktionszeit zersetzen, gut biologisch abbaubar sind und nicht dauerhaft in Gewässern ihr „Unwesen“ treiben.

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Mehr zum Thema

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lifestyle.t-online.de I 06.07.2011
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lifestyle.t-online.de I 27.06.2011
Gefahr von EHEC-Infektionen bleibt

Informationen zur Chronologie unter www.spiegel.de:
Gefährliche Erreger

Robert-Koch-Institut I 26.03.2015
EHEC-Erkrankung RKI-Ratgeber

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Hygieneprodukte und Desinfektion:

www.naturatrade.de

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