Biozide: Tenside

Grundsätzlich weisen alle Tenside, welche die Oberflächenspannung des Wassers herabsetzen, auch eine biozide Wirkung auf. Bei den Seifen z.B. ist diese Wirkung jedoch so gering, dass ein Einsatz solcher Stoffe zu Desinfektionszwecken nicht in Frage kommt.
Häufig zum Einsatz kommende Biozide sind sog. QUATS (quartäre Ammoniumsalze, kationische Tenside). Sie haben wegen ihrer geringen Toxizität seit einigen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen, gerade auch zur Flächendesinfektion im Bereich der Tierhaltung.
Sie wirken in geringen Konzentrationen gegen grampositive Bakterien. Zur Bekämpfung gramnegativer Bakterien müssen die Wirkstoff-Konzentrationen erhöht werden. Auch die viruzide Wirkung weist Lücken auf, da nicht alle Viren sicher inaktiviert werden.
Es ist empfehlenswert, zur Selektion resistenter Keime einen regelmäßigen Wechsel der Wirkstoffe bei der laufenden Desinfektion vorzunehmen.
In Kombination mit Seifen und anionischen Detergenzien verlieren die QUATS ihre biozide Wirkung. Auch Eiweiße und hartes Wasser verringern die Biozidwirkung in erheblichem Maße. Gegen Pilze wirken sie vor allem fungistatisch, jedoch nicht fungizid.
Die optimale Wirkung entfalten die QUATS im alkalischen pH-Bereich. Im sauren Milieu wird die Wirkung abgeschwächt und fehlt unterhalb von pH 3 (stark sauer) völlig. Bei Anwendung in Nassbereichen (Schwimmbad, Sauna, Sanitär) muss also gewährleistet sein, dass die Desinfektion mittels QUATS nicht während oder nach einer Reinigung mit sauren Sanitärreinigern durchgeführt wird. QUATS finden ebenfalls Anwendung zur Grünbelagsentfernung (Algen).
Gem. GefStoffV lautet die Kennzeichnung für diese Desinfektionsmittel abhängig von der Konzentration des Wirkstoffes im Konzentrat: Xi reizend bzw. ätzend.

Auch die amphoteren Tenside können in Gegenwart von Seifen und anionischen Detertergenzien ihre Desinfektionswirkung nicht entfalten. Sie werden hauptsächlich in Shampoos, Handseifen und zur Händedesinfektion verwendet und weisen ein vergleichbares Wirkungsspektrum auf. Sie wirken darüber hinaus tuberkulozid, fungizid mit geringem Eiweißfehler.
Chlorhexidin als Vertreter der Guanidine ist beispielsweise in der Zahnmedizin als gut wirkendes Desinfektionsmittel weit verbreitet.
Es obliegt dem sachkundigen Anwender, stets dafür zu sorgen, dass je nach Beschaffenheit der örtlichen Gegebenheiten das geeignete Desinfektionsmittel in der richtigen Konzentration und gem. vorgeschriebener Anwendung auf die zu behandelnden Flächen ausgebracht wird.
Der Arbeitsschutz und der Schutz der mit diesen Flächen in Kontakt kommenden Individuen muss dabei natürlich immer an oberster Stelle stehen.

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Definitionen

oberflächenaktive Biozide:

  • anionische Tenside
    Seifen
  • kationische Tenside
    quartäre Ammoniumverbindungen (QUATS)
  • amphotere Tenside
    amphotere Tenside (hochmolekulare Aminosäuren)
  • Guanidine
    Chlorhexidin (Biguanidin)

allg. Formel QUATS: R4N+ X-
Bei den QUATS handelt es sich um organische Verbindungen (R=Kohlenwasserstoffe, auch bis zu 4 verschiedene), welche als funktionelle Gruppe ein quartäres Stickstoffatom (N+) auf-weisen. X= Anion.
Beispiele: Benzyl-C12-16-alkyldimethylchlorid, Didecyldimethylammoniumchlorid

allg. Formel amphotere Tenside: RNHCH2COOH
Bei den amphoteren Tensiden handelt es sich um organische Aminosäuren (R=Kohlenwasserstoff), welche als funktionelle Gruppe eine Aminogruppe (NH) und eine Carbonsäuregruppe (COOH) aufweisen. Sie bilden Kationen, Anionen, Zwitterionen.
Beispiel: Cocoaminopropylbetain

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