Biozide: Halogenabspalter

Zu den Oxidationsmitteln gehören nicht nur die landläufig bekannten Peroxide wie Wasserstoffperoxid und Peressigsäure (PES), sondern auch elementares Halogen wie Chlor und Jod oder auch zahlreiche anorganische chlor- und jodabspaltende Verbindungen.

Der bekannteste Vertreter der Chlorabspalter ist das Natriumhypochlorit. Es ist in vielen bleichenden Reinigungamitteln enthalten und zudem noch sehr kostengünstig.
In wässrigen Lösungen bildet Natriumhypochlorit unterchlorige Säure, welche ihrerseits hochreaktiven, naszierenden Sauerstoff freisetzt. Dieser Sauerstoff oxidiert wesentliche Zellbestandteile und führt sogar zur Bleichung von organischen Materialien.

Ein weiteres Nebenprodukt beim Zerfall ist Natriumchlorid (NaCl = Kochsalz). Bei Anstieg des pH-Wertes (stark alkalischer Bereich) sinkt die Wirkung der Chlorabspalter. Die gleichzeitige Anwesenheit von Säuren (z.B. aus Sanitärreinigern) führt zur Entwicklung von toxischem Chlorgas!
Das Vorhandensein von Eiweißen oder organischen Materialien führt zur sog. Chlorzehrung, da ene Adsorption des Chlors an organische Bestandteile sowie chemische Reaktionen die wirksame Menge des Chlors reduzieren.

Chlorabspalter weisen ein breites, alle Mikroorganismen umfassendes Wirkungsspektrum auf. Auch Viren werden inaktiviert. Die akute Toxizität von Chlor ist gering (LD50 Mensch = 300-400mg/m³). Dennoch sollte der Einsatz dieser Biozide nur punktuell erfolgen, z.B. zur Bleichung von Schimmelpilzen, da die mögliche Gesundheitgefährdung für den Anwender nicht unerheblich ist. Deshalb ist die Anwendung nur in gut belüfteten Örtlichkeiten durchzuführen.
Der Vorteil der Chlorabspalter, hier insbesondere Natriumhypochlorit, liegt in seiner bleichenden Wirkung. Selbst unzugängliche Bereiche wie Fugen, Ritzen und das Innere von Silikondichtungen in Sanitärbereichen können mit ihrer Hilfe ohne mechanische Einwirkung wieder in einen hygienischen Zustand zurückgeführt werden.

Das betrifft insbsondere Bereiche und Materialien mit porösen Oberflächen, in welche z.B. Schwarzschimmel Einzug gehalten hat. Die landläufige Empfehlung, mittels einer hochprozentigen Alkohollösung eine nachhaltige Desinfektionswirkung erzielen zu wollen, führt allerdings nur in seltenen Fällen zum Ziel.
Wenn hier den Ursachen für den Schimmelbefall (z.B. in Mauer- und Deckenbereichen) nicht entschieden auf den Grund gegangen wird (Trockenlegung, Desinfektion), können nur noch aufwändige bauliche Sanierungsmaßnahmen Abhilfe schaffen.

Chlorhaltige Produkte stellen, sofern sie gezielt und vorschriftsmäßig angewendet werden, eine wirkliche Hilfe im Haushalt und auch im gewerblichen Bereich dar. Der tägliche, regelmäßige und ggfs. auch prophylaktische Einsatz solcher Mittel bleibt aber streng abzulehnen.

Der Gesundheits- und Arbeitsschutz muss auch beim Umgang mit chlorhaltigen Chemikalien besonders streng eingehalten werden (Handschuhe, Sicherheitsbrille, Körperschutz, Belüftung), da z.T. schwere Verletzungen von Haut, Schleimhaut und Atemwegen bei Kontakt mit diesen Stoffen drohen.

Kennzeichnung* bei Konzentration C:
Natriumhypochlorit
C= >5,0% bis <10%  reizend R31-36/38
C= >10% bis <25%   ätzend R31-34
C= >25%                  ätzend/umweltgefährlich R31-34-50

*gem. Gefahrstoff Verordnung, alte Kennzeichnung


Bezeichnung besonderer Gefahren bei gefährlichen Stoffen und Zubereitungen, R-Sätze:

R31: Entwickelt bei Berührung mit Säure giftige Gase
R34: Verursacht Verätzungen
R36: Reizt die Augen
R38: Reizt die Haut
R50: Sehr giftig für Wasserorganismen

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