Biozide: Alkohole

Produkte, welche als wirksam gegen Schadorganismen (z.B. Bakterien, Viren, Pilze) deklariert werden, müssen gem. Biozidrichtlinie als Desinfektionsmittel (Biozid-Produkte) gekennzeichnet werden.
Biozid-Produkte können ein oder mehrere Biozide (Biozidwirkstoffe) mit allgemeiner oder auch spezifischer Wirkung auf Schadorganismen enthalten. Das bekannteste Biozid ist (Ethyl-) Alkohol. Gem. Definition existieren unterschiedlichste Alkoholderivate, die in unterschiedlichsten Lebensbereichen Einsatz finden. Zeckmäßigerweise werden zur Desinfektion am häufigsten Ethanol, Propanol oder Isopropanol eingesetzt.

Alkohole wirken rasch mikrobiozid, allerdings erst in deutlich höheren Konzentrationen, als andere Desinfektionsmittel. Bei Ethanol liegt die wirksamste Konzentration bei 60-75 Gew.%. Bei Isopropanol liegt die empfohlene Konzentration bei 50-70 Gew.%. Konzentrationen unter 30% wirken nicht mehr mikrobiozid.
Die Wirkungsweise der Alkohole beruht auf der Denaturierung der Proteine. Reiner Alkohol dagegen weist nur konservierende Eigenschaften auf. Eine konservierende Wirkung setzt erst ab ca. 15% ein. Das Wirkungsspektrum der Alkohole erfasst nur die vegetativen Formen der Bakterien.
Sporen der Bakterien werden konserviert! Die viruzide Wirkung erfasst vor allem behüllte Viren, jedoch nicht alle übrigen Formen. Gegen Hefen und Schimmelpilze ist dieses Desinfektionsmittel nur mäßig wirksam. Hauptsächlich werden alkoholische Desinfektionsmittel zur Händedesinfektion angewendet.In diesem Fall sind die Lösungen als Medizinprodukte zu kennzeichnen.
Bei Einsatz als Flächendesinfektionsmittel greift die Gefahrstoffverordnung. Gem. GefStoffV lautet die Kennzeichnung für alkoholische Desinfektionsmittel:
Xi reizend in Kombination mit F leichtentzündlich.

Gewünschte Eigenschaften eines Desinfektionsmittels:

  • es muss bestimmte Mikroorganismen abtöten bzw. irreversibel schädigen,
  • es sollte in möglichst hoher Verdünnung schnell wirksam sein (es muss also wirtschaftlich sein),
  • es muss möglichst lange beständig sein (Verfallsdatum auf dem Etikett),
  • es sollte möglichst nicht geruchsintensiv sein,
  • es sollte wenig haut-/schleimhautreizend sein,
  • es muss für den Anwender ungiftig sein,
  • es muss wasserlöslich / oberflächenbenetzend sein,
  • es sollte möglichst auch in rauhe Oberflächen ein dringen können,
  • es sollte einen nur geringen Eiweißfehler aufweisen (Eiweißzehrung),
  • es muss eine gute Materialverträglichkeit aufweisen (oberflächenschonend),
  • es sollte biologisch abbaubar sein.

Grundsätzlich sollten möglichst viele der o.a.Eigenschaften gegeben sein, um ein optimales Produkt zum Einsatz bringen zu können.

Desinfektionsmittel dürfen nicht mit Reinigungsprodukten gemischt werden, da die biozide Wirkung beeinträchtigt werden kann.
Es können grundsätzlich auch Desinfektionsreiniger (Kombiprodukte), mit welchen in einem Arbeitsgang Reinigung und Desinfektion durchgeführt werden kann, verwendet werden.

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Definitionen

Definition Alkohol
allg. Formel: R-OH

Bei den Alkoholen handelt es sich um organische Verbindungen (R=Kohlenwasserstoff), welche als funktionelle Gruppe eine oder mehrere Hydroxylgruppen (-OH) aufweisen.
Beispiele: Methanol H3C-OH, Ethanol C2H5-OH, Propanol C3H7-OH, Phenol C6H5-OH, Glykol (Polyalkohol)

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Einsatz alkoholischer Desinfektionsmittel:

  • die zu desinfizierenden Flächen sind gezielt zu benetzen, ungezieltes Versprühen ist unzulässig;
  • die Anwendung zur großflächigen Raumdesinfektion ist unzulässig, es besteht Brand- und Explosionsgefahr;
  • diese Desinfektionsmittel dürfen nur verwendet werden, wenn eine schnelle Wirkung gewünscht ist bzw. wenn andere Produkte empfindliche Oberflächen angreifen würden.

Lagerung / Transport alkoholischer Desinfektionsmittel:

  • die Lagerung größerer Mengen brennbarer Produkte muss behördlich genehmigt werden und ist abhängig von Verpackung, Inhalt und Lagermenge;
  • der Transport brennbarer Produkte unterliegt dann den Transportvorschriften (Gefahrgut), wenn eine gewerbliche Beförderung stattfindet. Innerbetriebliche Transporte bzw. die Auslieferung der Produkte an Filialen in kleineren Gebinden ist nicht genehmigungspflichtig.

Fazit:
Alkohol ist ein ideales Desinfektionsmittel, wenn eine schnelle Wirkung erreicht werden soll und andere Produkte nicht in Frage kommen. Alkohol ist insbesondere dann gefragt, wenn kleinere Flächen behandelt werden müssen.
In der Medizin ist Alkohol als Desinfektionsmittel ein unverzichtbarer Bestandteil von Hygienemaßnahmen (Hände- / Haut- / Instrumentendesinfektion).
Der Vorteil besteht in der Leichtflüchtigkeit der Wirkstoffe, da eine schnelle Abtrocknung erfolgt. Eine Nachreinigung muss in den meisten Fällen nicht mehr durchgeführt werden.

Der Einsatz zur Flächendesinfektion ist nur beschränkt empfehlenswert, da Brand- und Explosionsgefahr drohen. Weiterhin wirkt Alkohol in der Atemluft narkotisierend auf Mensch und Tier.
Alkoholische Desinfektionsmittel weisen erhebliche Wirkungslücken auf und erfassen nicht alle (pathogenen) Mikroorganismen.
Alkoholische Desinfektionsmittel sind teuer und können nicht verdünnt angewendet werden. Der Fachmann ist jedoch unter Beachtung der allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen in der Lage reinen Alkohol (z.B. 96% Isopropanol) mit Wasser abzumischen und so in eine wirksame Desinfektionslösung zu überführen (beachte: Volumenkontraktion bei Alkohol- / Wassergemischen!).
Wässrige Lösungen in der gewünschten Konzentration sind im Chemikalienhandel aber ebenfalls erhältlich. Die Kosten für die Desinfektionsmaßnahmen lassen sich somit deutlich senken.

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Hygieneprodukte und Desinfektion:

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